Vom Tannhäuser und „Von der tische zucht“ #Tischzuchten

Nein, liebe Wagner-Fans und Opernliebhaber, hier geht es nicht um Richard Wagner und den Sängerkrieg auf der Wartburg. Hier geht es um #Tischzuchten und zwar um mittelalterliche, denn der Tannhäuser ist eben nicht nur der Titel einer Oper. Der Tannhäuser, das war auch ein wahrhaft lebender Mensch; ein Minnesänger war er und ein Spruchdichter über den wir aber beinahe nichts wissen. Wir kennen einzig seine Werke und ein Bild von ihm aus dem Codex Manesse, wo er in der Tracht des Deutschen Ordens abgebildet ist. Ansonsten wissen wir nur über ihn, dass er wohl eine Weile lang am Hof des Herzogs Friedrich des Streitbaren von Österreich lebte und dichtete. Ja, und das war es dann auch schon fast. Alles Weitere muss man sich mühselig zusammenraffen.

Mertens schreibt im Lexikon des Mittelalters über Tannhäuser, dass seine „erschließbare Schaffenszeit“ zwischen den Jahren 1228/29 und 1256/66 gelegen habe, womit wir ihn ins Hochmittelalter datieren können. Weiter heißt es, dass er wohl die meiste Zeit als fahrender Sänger unterwegs gewesen sei und das sein Werk typisch sei für die fahrenden Sänger jener Zeit. Typisch, speziell für den Tannhäuser sei „die Gattungsmischung und -aufbrechung u.a. durch parodistisch verwendete Wissenskataloge und eine sexuell-erotische Thematik in den als Tanz inszenierten Leichs[1] […]“.[2]
Auch Ralf-Henning Steinmetz weiß in der Neuen Deutschen Biographie nicht wirklich mehr über den historischen Tannhäuser zu erzählen, außer, dass er sich wohl um die Gunst Kaisers Friedrichs II. bemühte, sowie um die eines Bayernherzogs und des Königs Konrad IV., was man seinen Schriften entnehmen kann. Alles andere sei, so Steinmetz „spekulativ“. [3]
Letztlich bringt uns bzgl. des historischen Tannhäuser auch die sonst so mitteilsame Allgemeine Deutsche Biographie nicht weiter, denn Richard Moritz Meyer wusste auch nichts weiter zu berichten und teilte lediglich mit, dass der gute Tannhäuser als Dichter nicht unbedingt bedeutend gewesen sei, dafür seine Person wohl offenbar mehr Interesse erregt und so zur Legendenbildung um ihn beigetragen habe.[4]
So überlagert heute Legende die historische Person und wir sind so klug als wie zuvor.
Also wenden wir uns dem Werk zu, das den Titel „Daz ist des tanhawsers/ geticht un ist gut hof zucht“ trägt. Es ist in zwei verschiedenen Handschriften überliefert und eigentlich ist es gar keine „hof zucht“ sondern eben eine Tischzucht! „Die Regeln für das richtige Benehmen bei Tisch sind pars pro toto für tugendhaftes Benehmen im Allgemeinen zu lesen, die Leitidee entspricht der Kardinaltugend temperantia, also in allen Dingen das rechte Maß zu halten.“ wie Leevke Mareike Schiwek schrieb.[5]
 
 

Stundenbuch Hg. v. Berry
Stundenbuch des Herzogs von Berry [Public domain], via Wikimedia Commons

Das ist des Tannhäusers Gedicht und ist gute Hofzucht

Der scheint mir ein züchtiger Mann zu sein,
der alle Zucht erkennen kann,
der keine Unzucht begeht
und den die Zucht nie verließ.
An Züchten gibt es so viele,
die sind zu manchen Dingen gut.
Nun wisset, wer ihnen folgen will,
dass er keinen Missgriff tut.
[…]
Vor dem Essen sollt ihr also sprechen:
„Segne es uns Jesus Christus!“
Wenn ihr am Tisch versammelt seid,
denkt allezeit an Gott.
Wenn ihr esst, so denkt daran,
dass ihr die Armen nicht vergesst.
So werdet ihr von Gott wohl angesehen,
wenn ihnen Gutes durch euch geschieht.
Denkt an die große Not
der Waisen, wenn sie dabei sind.
Gebt ihnen in Gottes Namen euer Brot,
so werdet ihr von der Hölle frei.
Kein edler Mann soll mit einem anderen
beim Trinken nur einen Löffel benutzen:
das ziemt höfischen Leuten nicht wohl,
jedoch unedlen sehr.
Aus Schüsseln trinken ziemt niemandem,
wie sehr auch mancher diese Unsitte preist,
der sie frevelhaft nimmt
und wie von Sinnen in sich gießt,
und sich über die Schüssel hängt,
wenn er wie ein Schwein isst
und dann noch unappetitlich schnappt
und schmatzt mit dem Mund.
Manche beißen ab vom Brot
und langen damit in die Schüssel
nach bäuerischen Sitten.
Solche Unsitte vermeiden die Höfischen.
Ein andere benimmt sich so:
Wenn er am Knochen genagt hat,
tut er ihn wieder in die Schüssel.
Das sollt ihr als Unistte ansehen.
Wer Senf und gesalzene Brühe gerne isst,
der soll sich sehr bemühen,
nichts zu verschütten
und nicht die Finger hineinzustecken.
Wer sich räuspert, wenn es ans Essen geht,
und sich in das Tischtuch schnäuzt –
das gehört sich beides überhaupt nicht,
wie ich das erwarten kann.
Wer schnauft so wie ein Wasserdachs
und schmatzt wie ein Baiersachse[6],
wer er isst, wie es mancher tut,
der setzt sich über Benehmen hinweg!
Wer zugleich reden und essen will –
beides gleichzeitig tun ist wie
beim Schlafen viel reden,
sehr selten kann der wohl ruhen.
Bei Tische lasst das Lärmen sein,
wenn ihr esst, was manche tun.
Denkt daran, meine Freunde,
es gibt keine übleren Dinge,
als wenn man das Brot an den Körper legt
und es schneidet wie die schwachen Weiber.
Und wird auch ein Gefäß gebracht
mit Salz, wenn ihr essen wollt,
so sollt ihr nicht hineingreifen
mit bloßer Hand, das ist übel.
Es dünkt mich eine große Missetat
bei dem ich diese Unzucht sehe,
wenn einer das Essen im Munde hat,
und dabei trinkt wie ein Vieh.
Mancher bläst in den Trank,
das pflegen manche gern zu tun.
Das ist ein ungewisser Dank,
diese Unzucht sollte man entbehren.
Mancher sieht über den Becher,
wenn er trinkt, das sieht nicht gut aus.
Den hält man nicht für einen Ritter,
dort wo man die Besten vermutet.
Bevor ihr trinkt, wischt den Mund ab,
dass ihr nicht den Trunk beschmiert.
Die Hofzucht geziemt sich immer
und ist höfischer Wille.
Zwischen den Gängen kann der Mann
wohl trinken, wenn es nötig ist und
wenn er ein Getränkt erhalten kann.
Das kommt nicht allen Leuten zu.
Wer den Finger auf das Messer legt
wenn er schneidet, wie es ein Kürschner macht,
wie selten hat der sich dort bewegt,
wo man Heidnische besiegt.
Und die sich auf den tisch lümmeln,
wenn sie essen, tun nicht recht.
Wie selten die die Helme bewegen
wie man Frauen dienen soll.
Ihr sollt den Hals euch auch nicht kratzen,
wenn ihr esst, mit bloßer Hand;
wenn es sich aber nicht vermeiden lässt,
so nehmt vornehm das Gewand
und juckt damit, das ist besser,
als dass euch die Hand unsauber wird:
die Zuschauer merken dies,
wer solche Unzucht nicht verbirgt.
Ihr sollt die Zähne nicht stochern
mit Messern, wie es mancher tut,
und auch nicht mit anderen Gegenständen.
Wer das macht, das ist nicht gut.
Wer mit Löffeln essen will
und kann etwas nicht darauf bekommen.
der soll Kleckerei vermeiden
und es nicht mit den Fingern darauf schieben.
Wer bei Tisch die Gewohnheit hat,
dass er den Gürtel weiter macht,
ich kann euch versichern,
der isst nicht Fisch bis auf die Gräte.
Wer am Tisch sich schnäuzt
und es dann in die Hand reibt,
der ist ein Flegel, glaubt mir,
dem ist bessere Erziehung nicht bekannt.
Wenn es geschieht, dann man
zwischendurch eine Schüssel bringen muss,
dann erregen die Unwillen,
die alle zusammen hineingreifen.
Wer mit Brot essen soll
und mit einem anderen zusammen isst,
der soll sich in acht nehmen,
dass er den anderen nicht belästigt.
Ich höre von einigen sagen
wenn das wahr ist, ist das schlimm),
dass sie ungewaschen essen;
denen müssten die Finger erlahmen!
Etliche sind so lustig gar,
sie essen, wir mir scheint,
dass sie ihren Mund nicht wahrnehmen
und sich in die Finger beißen
und in die Zunge, das höre ich sagen.
Bei wem will sich ein solcher beklagen?
Nun denke wohl an deine Erziehung:
Essen sollst du so lange unterlassen,
wie dein Tischgenosse trinkt.
Das ist züchtig und gehört sich so.
Wer den Schmutz von der Nase nimmt
und von den Augen, wie es manche tun,
auch in die Ohren greift (was sich nicht gehört),
wenn er isst – diese drei Dinge sind nicht gut.
Es ist niemals gut,
dass, wenn einer mit  andern isst,
er den Tischgenossen zu nahe tritt,
indem er sie im Essen zu übertreffen sucht,
das gehört sich nicht.
Zur Nacht soll niemand viel essen,
wenn er morgens gut gegessen hat.
Wer übermäßig viel essen will,
der wird das Sodbrennen nie los.
Vom zu vielen Essen kommt Vergiftung
und andere Krankheit höre ich sagen,
von der Fresserei kommen viele Sünden,
vom Trinken ist viel Arges geschehen.
Hungrig sein ist wohl besser
als von der Speise zu viel essen;
es hilft, dass man Hunger leidet,
wenn man nicht krank sein will.
Vom übermäßigen Essen kommt viel Not
zu Fastnacht und an Ostertagen.
Viele Sind vom Essen krank,
das hat ihnen sogar den Magen verdorben.
Wer deshalb sein Brot versalzt,
damit er sein Gewand vertrinkt
und dann dadurch Not leidet,
der muss ein Dummkopf sein.
Wer ohne Durst viel trinkt
und ohne Hunger viel isst,
der nähert sich langsam dem Tode
und lebt nicht lange, dünkt mich.
Auch wer nur wenig in den Mund schiebt,
wenn ihn großer Hunger überfällt,
der wird sehr selten ganz gesund
dem geht es mit der Zeit genauso.
Viele Leute sind hinfällig vor Hunger
und was dergleichen noch geschieht.
Vom Durst leiden manche Not,
die doch vor Durst nicht sterben.
Gott segne uns den Trank!
Er, der ohne Anfang
und ohne Ende ist,
der lasse uns den Trank wohl bekommen!
Es sprach vordem Herr Freidank,
guter Wein sei der beste Trank.
Davon spricht auch noch der Tannhäuser,
viele Heiden glauben es aber nicht.
Ihr sollt die heißen Speisen
abkühlen, wenn ihr klug seid,
wenn euch auch großer Hunger überkommt, –
diese Bitte gefällt so manchem nicht.
Die Bewirtung taugt nicht viel,
wo die Speise kraftlos ist.
Man kann das nicht Bewirtung nennen,
wo es weder Brot noch Trank gibt.
Wer ein großes Fest ausrichtet
und mancherlei Essensgänge auch anbietet, –
das kann keine Bewirtung sein,
wo es nicht gutes Brot und Wein gibt.
Wo man das Schachspiel verlangt
und wo man es vor Hunger einweicht,
da kann es keine Unterhaltung geben,
und die Bewirtung ist nichts wert.
Die Trägheit bringt machen so weit,
dass er nichts Gutes vermag.
Das wird ein ewiger Tod sein
und bringt so manche Seele in Not.
Nun lasst euch diese Anweisungen wohl gefallen!
Bevor die Kinder volljährig werden,
soll man sie ihnen beibringen.
Wer das alles zu befolgen vermag
und die Unzucht Beiseitelässt,
der wird vor Gott ein züchtiger Mann sein.
Möge er es bis an seinen Tod so halten!
Wer alles dies bewahren kann
und den Regeln gut folgt,
dessen Seel kann getrost dahinfahren,
wenn der Leib stirbt.
Kein züchtiger Mann wird verloren sein;
ein unzüchtiger Mann kann
niemals ins Himmelreich kommen
so habe ich es vernommen.
Ein Schlemmer wird niemals weise,
das nehmt ihr an manchem Vielfraß wahr.
Keinen guten Sinn hat die Kehle
die nicht auch des Bauches gedenkt.
Völlerei und Trunkenheit –
wer sich in der Jugend daran hält,
dem wird es im Alter leidtun
und es bringt viele dumme Leute hervor.
Wer in der Jugend ein Schwelger wird
und mit Fresserei ins Alter kommt,
dem wächst davon ein großer Bauch,
wie wenig das der Seel frommt!
Ein Mann soll Gutes und Böses ertragen
und doch dabei züchtig leben
und soll daran nicht gleich verzagen,
wenn es ihm einmal nicht gut geht.
Wem nie weh ward, dem ward nie wohl.
Der Tüchtige soll alles leiden
(ob ihm Liebes oder Leides geschah),
Erfreuliches und Ungemach.
Der Tannhäuser hat gemacht
diese Gedicht mit geziemender Belehrung.
Es bewahrt den vor Fehltritten,
der den Fisch nicht bis zur Gräte isst.
Diese gute Lehre hat ein Ende,
Gott von uns alle Untugend wende.
Amen.
 

Grobianus Tischzucht
Grobianus Tischzucht bin ich genant. Den Brüdern im Seworden wol bekant.

 

Von der Tische zucht (Rossauer Tischzucht)

 
Noch viel weniger als über Tannhäusers Hof- bzw. Tischzucht wissen wir über die Rossauer Tischzucht[7], die als ein Abkömmling der Tannhäuser Schrift gilt. Entstanden ist sie wohl im frühen 14. Jahrhundert in Österreich. Das Besondere an ihr ist, dass sie sich speziell an Siebenjährige richtet. Schon allein deshalb ist ihre Sprache deutlich simpler und der Umfang deutlich geringer.[8]
 

Das ist von der Tischzucht

Wer nun solches Wissen hat,
dass er Erziehung und Ansehen erreicht hat,
den bitte ich mir zuliebe,
dass er es ohne Unwillen mit überlasse,
die jungen Leute zurechtzuweisen,
diejenigen, die etwa sieben Jahre alt sind
und solches Wissen noch nicht haben
und denen noch keine Erziehung bekannt ist.
Wer nun gerne von Erziehung hört,
der soll Unzucht ablegen.
Merket: Wenn ihr zu Tisch geht,
dann lasst die Hände nicht ungewaschen.
Schneidet die Nägel der Finger,
wenn sie lang sind, dass sie euch keine Schande bringen.
Wollt ihr nicht wie ein Narr sitzen,
so lockert den Gürtel um den Bauch.
Wollt ihr bei Hofe Brot schneiden;
so sollt ihr Folgendes vermeiden:
Setzt es nicht an die Brust,
nach Art der schwachen Weiber,
die ihre schwache Kraft dazu zwingt,
das ist bei Hofe eine große Schmach.
Niemand soll mit einem anderen benutzen
denselben Löffel bei dem Essen, das ist gutes Benehmen.
Aus Schüsseln trinken ziemt sich nicht.
Wer dies auf fürchterliche Weise tut
und in sich hineinschlürft, als wenn er von Sinnen ist,
(obgleich auch die ungehobelte Art so mancher lobt),
der kann eben nicht zu Verstand kommen.
Der hat durchaus kein ehrenhaftes Verhalten,
der sich über die Schüssel lehnt
und so unsauber schnaubt
mit dem Munde wie ein Schwein-,
der soll bei dem andern Viehzeug sein.
Einige beißen vom Geschnittenen ab,
und nach ziemlich bäuerischer Art und Weise
schmeißen sie es wieder in die Schüssel.
Diese Unsitte kennen die Höfischen nicht.
Einige sind sogar so verfressen,
dass nicht auf ihren Mund achten
und sich in die Hand beißen.
Solche Gier unterlassen die Höfischen.
Wer so schnauft wie ein Wasserdachs
und schmatzt wie ein Lachs
wenn er isst, wie es so mancher tut,
der setzt sich über gutes Benehmen hinweg!
Wer rülpst, wenn er essen soll
und sich in das Tischtuch schnäuzt,
dem sei gesagt, beides gehört sich nicht,
wie ich es verstehe.
Kein züchtiger Mann macht es so,
dass er sich auf den Tisch lümmelt
oder sich zurücklehnt;
dort steht es nicht zum Besten, wo solches geschieht.
Stützt euch nicht auf den Ellenbogen,
sitzt aufrecht und nicht zusammengekauert.
Fasst euch nicht mit bloßer Hand,
sondern nehmt dafür ein Tuch,
wenn ihr zufassen müsst,
während man euch bei Tisch sieht.
Legt nicht die Finger auf die Messerklinge,
wie oft ihr auch schneiden müsst,
bevor ihr aus der Schüssel esst,
diese Regel sollt ihr nicht vergessen.
Bevor ihr trinkt, wischt euch den Mund ab,
diese höfische Sitte passt jederzeit.
Ihr sollt den Mund langsam
zum Becher bringen.
Einige blasen in den Trank,
dafür gibt man euch keinen Dank.
Wenn euer Geselle trinken möchte,
so esst nicht, das gehört sich so.
Folgende Sitte seht als Missetat an,
nämlich wer im Mund eine Speise hat
und wie ein Vieh dazu trinkt.
Bei dem ich diese Unsitte sehe,
dem rate ich das bei meiner Treu,
dass er das fürderhin vermeidet.
Ich denke, dass es sich auch nicht gehört,
dass man den bereits benagten Knochen
wieder in die Schüssel tut;
davor bewahre höfische Sitte!
Wer reden und zugleich essen will,
der kann selten gut ruhen.
Wer Senf und gesalzene Brühe gern zu sich nimmt,
soll die Unsitte lassen,
die Finger hineinzustecken.
Man soll sich auch daran gewöhnen,
dass niemand das Salz mit bloßer Hand reiche,
erinnert euch an diese höfische Sitte!
Wenn ihr Eier essen wollt,
dann, ehe ihr sie aufschlagt und pellt,
sollt ihr vorher klugerweise
das Brot mit dem Finger anspitzen;
damit ihr es nicht ständig
nachher mit dem Munde spitzen müsst.
Greift auch nicht mit dem Finger
in die Eier hinein, wie es oft geschieht,
vermeidet solche Unart.
Legt die Schalen wieder in die Schüssel.
Lasst auch, meine lieben Gesellen,
das Schnalzen mit der Zunge
im Munde sein, das gehört sich nicht,
wenn ihr vom Tisch geht.
Hier hat die Tischzucht ein Ende.
Gott behüte uns vor allem Unheil.
Amen.

 
 
Soweit des Tannhäusers und seiner Nachahmer Tischzucht.
Viele dieser Regeln kennen wir noch heute und sie leuchten uns noch heute ein. Bei manch anderer Regel hingegen müssen wir auch schmunzeln und uns in Erinnerung rufen, dass es das Besteck – so wie wir es heute kennen – zu jener Zeit eben noch nicht gab und dass vielfach gemeinsam aus einer Schüssel gegessen wurde.
Für so manchen aber, beschleicht mich das Gefühl von Zeit zu Zeit, wäre es ganz gut, wenn er des Tannhäusers Tischzucht auch heute noch manchmal zur Hand nähme.
 
Und jetzt geht’s auf zur nächsten Tischzucht. Viel Spaß dabei!
 

Das Essen
The Afternoon Meal (La Merienda) – Luis Meléndez (Spanish, Naples 1716–1780 Madrid) – ca. 1772 – Public Domain – Metropolitan Museum New York

 
[1] Leichs sind Lieder, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Leich
[2] V. Mertens: Art. Tannhäuser, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, Sp. 459f.
[3] Steinmetz, Ralf-Henning, “Tannhäuser” in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 783-784 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620746.html#ndbcontent
[4] Artikel „Tannhäuser“ von Richard Moritz Meyer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 385–388, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tannh%C3%A4user&oldid=2507490 (Version vom 3. April 2018, 06:01 Uhr UTC)
[5] Leevke Mareike Schiwek: Die Dichtungen des Tannhäusers – Kommentar auf Grundlage der Kieler Online-Edition, Diss. phil., Kiel 2017 https://d-nb.info/1135968772/34, S. 17 (PDF-Fassung).
[6] Wahrscheinlich Name eines Schwertes. In anderem Zusammenhang eine Schweinerasse, s. http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?mode=Volltextsuche&hitlist=&patternlist=&lemid=BS00225&sigle=BMZ
[7] https://digital.blb-karlsruhe.de/blbhs/content/pageview/50458
[8] Vgl. Die Deutsche Literatur im späten Mittelalter. 1250-1370, 2. Teil: Reimpaargedichte, Drama, Prosa, hg. v. Ingeborg Glier, München 1986, S. 127.

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