Kalender, Kalender, Kalender … und kein Ende

So hab ich reagiert, als ich letztlich in einer Buchhandlung ging.

Überall waren Kalender, vor lauter Kalendern quasi keine Bücher mehr zu sehen. Und natürlich waren all diese Kalender reduziert, denn immerhin hat das Jahr von seinen gemeinhin zwölf Monaten ja bereits nahezu zwei eingebüßt.

Diese Kalenderflut hat mich ein wenig ins Grübeln gebracht, zumal dann auch kurze Zeit später irgendwie die sozialen Medien, speziell Facebook irgendwie eine Kalenderflut brachte mit Spezialkalendern für dies und das, so als setzte sich quasi jeder zuhause hin und entwickelte seinen ureigenen Kalender, den er dann mehr oder minder gewinnbringend unter das Volk bringen möchte.

Und ja, ich habe auch Kalender und ich benutze diese Kalender auch: einen Tischkalender für die schnellen Terminkritzeleien, einen Buchkalender für die eigentliche Terminplanung mit Aufgaben und einen digitalen Kalender, damit ich auch ja nichts vergesse. Ach ja, und einen kleinen Kalender für die Handtasche, weil ich halt ein Dinosaurier aus der vordigitalen Welt bin.

… ganz schön viele Kalender für einen Menschen … vielleicht ging mir das Thema auch deswegen nicht mehr aus dem Sinn.

Als ich letztlich vor mein Bücherregal trat, um kurz etwas nachzuschlagen, fiel mein Blick – na, erraten Sie’s? Richtig: auf einen Kalender, einen sehr alten und sehr speziellen Kalender, nämlich einen Hofkalender.

Damit war mir denn nun endgültig klar: ich muss mich einfach mal mit diesem Thema beschäftigen. Mit diesen mit Zahlen gespickten oftmals buchähnlichen papiernen Gebinden, die wir so als Kalender bezeichnen.

Kalender
Kalender; Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Geschichte des Kalenders oder: Woher kommt eigentlich der Name?

Diese Einteilung von Zeit in Tage, Wochen, Monate, Jahre oder auch in andere Einheiten ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit und wir werden die Frage wohl auch nie beantworten können, wann erstmals jemand hingegangen ist und diese Zyklen – wie auch immer man sie nennen und an was auch immer man sie bemessen möchte – in irgendeiner Form fixiert hat.

Stonehenge wäre ein Anhaltspunkt, der Turm von Jericho, die Himmelsscheibe von Nebra, aber sind das Kalender in unserem heutigen Sinn?

Auch in Ägypten und Mesopotamien gab es Kalender, sie orientierten sich zumeist am Mondkalender, zu dem Wikipedia schreibt: „Die Mondphasen haben als Periode den synodischen Monat (Lunation) mit einer durchschnittlichen Länge von 29,53059 Tagen (Schwankung zwischen etwa 29,27 und 29,83 Tagen). Im Kalender werden in der Regel 6 Monate mit 29 Tagen und 6 Monate mit 30 Tagen im Wechsel verwendet. Damit ist das kalendarische Mondjahr 354 Tage lang (6·29 + 6·30). Zur Anpassung an die astronomisch genaue Länge eines Mondjahrs mit 354,3671 Tagen (12 Lunationen) ist das kalendarische Mondjahr etwa alle drei Jahre um einen Tag länger.“

Den Wochenrhythmus, wie wir ihn heute kennen und verwenden, mit seinen sieben Tagen, führten wohl die Babylonier ein. In anderen Kulturen gab es aber auch „Wochen“, meist mit einer Länge von fünf bis zehn Tagen.

Das zumindest klingt schon einmal sehr nah an dem, was wir uns heute unter einem Kalender vorstellen.

Kalender
Kalender; Foto: A. Kircher-Kannemann

Und damit sind wir dann auch bereits in einer Zeit angekommen, die nicht mehr nur archäologische Zeugnisse zu bieten hat, sondern auch schriftliche. Womit wir uns dann auch der Frage nach dem Namen widmen können:

Die Bezeichnung „Kalender“ stammt, wie so vieles, aus dem Lateinischen. Die Römer führten ein sogenanntes „Calendarium“, was nichts weiter ist als ein Schuldbuch. In diesen Schuldbüchern verzeichnet waren der jeweils ersten Tage der Monate: die „Kalendae“, die Zahltage.

Neben den „Kalendae“, die den Neumond bezeichneten, gab es im römischen Kalender, der auf dem Mondkalender basierte, außerdem noch die Iden, gleichbedeutend mit dem Vollmond und die Nonen und Terminalien, die jeweils den zunehmenden bzw. abnehmenden Halbmond angaben.

Diese Kalendersysteme beruhten also rein auf Beobachtung, nicht auf Berechnungen, wie unsere heutigen Systeme.

Aber wie das so ist mit Beobachtungen, sie können auch falsch sein und besonders in großen Gebieten ziemlich variieren und schon hat man das Dilemma und im Zweifel hat jedes noch so kleine Dorf seine eigene Zeitrechnung. Das macht Kommunikation über Termine reichlich schwierig und teilweise auch unmöglich. Also brauchte es dann doch sehr bald die Mathematik.

Damit sind wir dann übrigens wieder zurück bei den schon zuvor erwähnten Ägyptern: Sie hatten alle notwendigen mathematischen und astronomischen Kenntnisse zur Berechnung eines Kalenders und entwickelten einen „astralen Sothiskalender“. Wer nun wissen möchte, wie dieser sich genau berechnet, der möge bei Wikipedia nachschauen.

Recht klar scheint zu sein, dass die Ägypter auch die Einteilung des Jahres in 365 Tage vornahmen und das bereits im 3. vorchristlichen Jahrtausend. Wir blicken also auf eine reichlich lange Kalendertradition zurück.

Auch das Problem des Schalttages erkannten die Ägypter schon, Ptolemaios III. (um 284-222 v. Chr.) führte einen Schalttag ein und der gute alte Gaius Iulius Cäsar (100-44 v. Chr.) übernahm diesen Schalttag dann auch gleich mal für seinen noch heute bekannten und teilweise benutzten Julianischen Kalender.

Caesar
Büste des Gaius Iulius Caesar; Foto: A. Kircher-Kannemann

Bei dem Kalender blieb es dann auch erstmal für sehr lange Zeit, bis dann ein Papst kam, Gregor XIII. (1502-1585), um genau zu sein. Gregor hat sich übrigens mit seiner Kalenderreform nicht nur Freunde gemacht, selbst die katholische Kirche klatschte nicht nur Beifall, immerhin fielen mit einem Schlag bei der Einführung mal zehn Kalendertage einfach weg, man hinkte nämlich hinterher und so folgte denn im Jahre 1582 auf Donnerstag, den 4. Oktober gleich mal Freitag, der 15. Oktober. Problem erledigt!

Naja, nicht so ganz: Die protestantischen Territorien schrien Zeter und Mordio und blieben beim julianischen Kalender (zumindest erstmal), einige andere Länder auch und in China weigerte man sich bis 1949 diesen katholischen Kalender zu übernehmen.

 

Kalendersysteme

Kalendersysteme gab und gibt es immer noch zuhauf. Die wichtigsten und gebräuchlichsten habe ich ja bereits erwähnt. Da ich Sie nicht unnötig langweilen möchte, reiche ich hier nur eine beileibe nicht vollständige Liste anderer Kalendersysteme nach:

Hofkalender
Hofkalender für das Jahr 1818

Spezialkalender

Ja, und da für jeden Menschen oder für jede Gruppe von Menschen andere Dinge wichtig sind, auch und vor allem in Bezug auf die Zeit und ihre Einteilung, gibt es logischerweise auch eine Vielzahl an Spezialkalendern, die sich so im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben:

  • Einer davon ist der „Hundertjährige Kalender“: Der hat in der Tat mehr mit Wetter denn mit Kalender zu tun. Geber tut es ihn seit dem 17. Jahrhundert. Sein „Erfinder“ ist Mauritius Knauer (1613/14-1664). Er war Abt im Kloster Langheim, einer Zisterzienser-Abtei in Lichtenfels, im Erzbistum Bamberg. Die Idee hinter diesem Kalender ist das Wetter vorhersagen zu können, um die Landwirtschaft zu optimieren. Eigentlich eine tolle Idee, nur in der Praxis leider nicht wirklich so gut.

 

  • Der „Ewige Kalender“ ist da schon deutlich präziser und zutreffender. Mit seiner Hilfe lassen sich die Wochentage passend zum Datum bestimmen.

 

  • Kirchenkalender braucht es speziell im Christentum, denn hier gilt das liturgische Jahr mit seiner festen Abfolge von Festen und Festzeiten. Gemeint sind hier vor allem der Osterzyklus und natürlich auch die vier Wochen der Adventszeit.

 

  • Den guten alten „Adventskalender“ kennen die meisten von uns wohl seit Kindesbeinen. Er beginnt in der Regel am 1. Dezember und endet am Heiligen Abend, also dem 24. Dezember (so zumindest bei den gekauften Varianten). Korrekt ist er allerdngs eigentlich, wenn er am 1. Adventssonntag beginnt und bis zum 6. Januar geht, dem Fest der „heiligen Drei Könige“. Geben tut es ihn in inzwischen unendlich vielen Variationen, als reinen Papierkalender mit schönen Geschichten und Bastelanleitungen. Ein Paradebeispiel (und ehrlich gesagt bis heute mein liebster Adventskalender) ist der „Essener Kalender“, den es seit 1978 im Bistum Essen gibt und der inzwischen weit über die Grenzen dieses Bistums und der katholischen Kirche hinaus ein echter „Kult-Adventskalender“ geworden ist. Darüber hinaus gibt’s natürlich auch die süßen Adventskalender der verschiedensten Marken und Discounter und die selbstgebastelten.
    Übrigens gehört der Adventskalender zu den neuesten Entwicklungen auf dem Kalendersektor: Es gibt ihn erst seit dem 19. Jahrhundert und er basiert auf einer lutherischen Sitte.
Hofkalender
Bild Ludwigs XVIII. aus einem Hofkalender von 1818
  • Die „Hofkalender“ hingegen sind von vornherein nur für eine sehr kleine Gruppe von Menschen konzipiert worden: für diejenigen nämlich, die sich am Hof aufhielten. Höfe hatten ihre eigenen zeitlichen Rhythmen und die galten nicht an allen Höfen gleich, sondern variierten zum Teil. In der Regel begann das höfische Jahr mit dem Neujahrsempfang und eben nicht zwingend am 1. Januar. Danach begann die Ballsaison, die mit dem Aschermittwoch endete. Es folgte die Fastenzeit und verschiedene religiöse Festtage. Oftmals endete die sogenannte „Saison“ mit einer Prozession, vielfach, so etwa auch in Wien am Kaiserhof, mit der Fronleichnamsprozession. Im Sommer hielt man sich auf den Landgütern auf und im Herbst war Jagdsaison. Den Abschluss des höfischen Jahres bildete Weihnachten. Aber, der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben, das sind die Regeln für einen katholischen Hof. An protestantischen Höfen differierten diese Termine durchaus und auch von Land zu Land waren sie unterschiedlich. Über all diese Termine musste ein Hofkalender informieren. Außerdem enthielt er ggf. auch noch die Namenstage, sowie Geburtstage der Herrscherfamilie und vor allem auch die Aufstellung der Beamten und Würdenträger des Hofes. So war er ein umfangreiches Kompendium, das den am Hof anwesenden Personen die Möglichkeit bot allzu grobe Fauxpas zu vermeiden.

 

Soweit mein Ausflug in die Welt der Kalender. Wenn Sie etwas vermissen, dann schreiben Sie mir doch einfach einen Kommentar und die Kalendergeschichte geht weiter.

Übrigens: Als kleines Geschenk gibt es hier eine PDF-Datei eines Hofkalenders für den Französischen Hof für das Jahr 1818. Viel Spaß beim „Durchblättern“.

 

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